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Rene Hofer im CrossNews-Interview

Rene Hofer gilt als größtes österreichisches Motocross Talent der letzten Jahre. Der aus Alberndorf in Oberösterreich kommende KTM Pilot kann im Alter von 18 Jahren bereits auf zahlreiche internationale Erfolge zurückblicken. Im Jahr 2016 kürte sich Rene mit 14 Jahren zum 85ccm Europa-, und Weltmeister, danach folgten einige Siege in der EMX125 Europameisterschaft und im ADAC MX Youngsters Cup. Nach guten Ergebnissen bei seinen Wildcard-Einsätzen in der MX2 Motocross Weltmeisterschaft 2019, schaffte der Österreicher Ende 2019 den Sprung in das Red Bull KTM Factory Racing Team. Rene liegt nach zwei Grand Prix Rennen derzeit auf der 5. Gesamtposition und verpasste in Matterley Basin nur knapp einen Laufsieg. Wir haben für euch ein exklusives Interview:

In welchem Alter hat deine Karriere begonnen und wie bist du zum Motocross gekommen?
Rene: Mit 3 Jahren habe ich von meinem Vater mein erstes Motorrad bekommen. In unserer Familie war Motorsport schon immer ein großes Thema, also habe ich versucht es schnell zu lernen.

Wann war der Zeitpunkt, als ihr das Training wirklich ernst genommen habt und wann seid ihr euch über dein Talent auf dem Motorrad bewusst geworden?
Das ist schwierig zu sagen, aber ich bin in meiner Kindheit einfach von Jahr zu Jahr professioneller geworden. Mit Papas Hilfe bin ich in ganz jungen Jahren schon internationale Rennen gefahren und wenn man dort vorne mitfährt weiß man, dass man das Talent hat um es vielleicht mal in die WM zu schaffen, der Rest ist harte Arbeit. Vor allem aber Ende 2012, als ich von Robert Jonas ins Youngblood Racing Team geholt wurde, habe ich mit ihm begonnen professionell an meiner Fitness zu arbeiten, was mir auch jetzt immer noch sehr zu Gute kommt. Und der nächste Schritt war dann Ende 2015, als die KTM Junior Trainingsgruppe gegründet wurde und ich mit Didi erstmals in Kontakt kam. Jetzt kann ich sagen, dass es extrem wichtig ist in seiner Jugend die richtigen Menschen um sich zu haben, die einen auf den richtigen Weg bringen.

Du trainierst ja seit längerer Zeit mit Didi Lacher. Wann habt ihr eurer gemeinsames Training gestartet und wie hilft er dir weiter?
Wie gesagt wurde Ende 2015 das KTM Juniorenprogramm mit 4 Fahren und Didi als Coach gegründet. Ich hatte vor ihm nie wirklich einen Fahrcoach und deshalb hatte ich zu Beginn viel an meiner Technik zu arbeiten. Unser Ziel war immer, es bis 2020 in die WM zu schaffen und ich würde sagen “Mission accomplished”. Didi hat immer das große Ganze gesehen und hat mich nach kleinen Rückschlägen immer wieder aufgebaut. Es war bis jetzt ein langer Weg, aber mit ihm habe ich es geschafft mich Schritt für Schritt zu verbessern, auch abseits vom Fahren. Und ich glaube der Fakt, dass wir im Winter monatelang in Belgien gemeinsam im Wohnmobil leben, ohne uns auf die Nerven zu gehen, sagt schon einiges aus und ich bin ihm einfach unglaublich dankbar. Übrigens durfte er im letzten Jahr beim Night Race in Imbach auch mal die österreichische MX Kultur bewundern, und er war begeistert, haha.

Du hast ja bereits im frühen Alter internationale Rennen bestritten und zahlreiche Erfolge erzielt. Was waren bis jetzt deine schönsten Erfolge?
Natürlich war die 2016er Saison mit dem Junioren WM und EM Titel ein Highlight. Allerdings muss ich sagen, dass mein Doppelsieg beim ersten Rennen der EMX125 2018 fast noch schöner war, (auch wenn es damals verletzungsbedingt nicht zum Titel gereicht hat), weil die Klasse einfach deutlich umkämpfter war und als Österreicher ein Sandrennen zu gewinnen, ist jetzt auch nicht alltäglich. Heuer ist natürlich der 2. Platz im zweiten Lauf beim MX2 GP in Matterley Basin dazugekommen, was eigentlich unsere Erwartungen weit übertroffen hat. Ich habe den Sieg zwar knapp verpasst, aber das Gefühl in der Weltelite angekommen zu sein ist einfach unbeschreiblich.

2018 warst du in der EMX125 Gesamtwertung und im ADAC Youngsters Cup in Führung bis eine Verletzung deine Saison vorzeitig beendete. Was genau ist passiert und wie hat die Verletzung deine weiteren Pläne beeinflusst?
2018 sollte eigentlich ein perfektes Jahr werden. Ich war 16 und bin in dem Jahr sowohl 125ccm 2 Takt, als auch 250ccm 4 Takt gefahren und auch mit dem großen Bike lief es die ganze Saison lang überraschend gut. Ich hatte zwei Titel vor Augen und in einem Moment war alles weg. Ich bin im zweiten Lauf des ADAC MX Youngster Cup in Tensfeld in Führung liegend schwer gestürzt und habe mir eine Beckenringfraktur zugezogen. In den ersten Tagen war es natürlich schwer zu akzeptieren, aber ich habe von allen Seiten Unterstützung erhalten, wofür ich immer noch extrem dankbar bin, denn es war eine wirklich schwere Verletzung. Mein KTM Vertrag wurde sofort um zwei Jahre verlängert und als ich nach zwei Monaten wieder normal gehen durfte, absolvierte ich eine sechswöchige Reha im Red Bull Athletes Performance Center und schaffte es nach vier Monaten wieder aufs Bike.

Mit welchen Zielen bist du in 2019 in die EMX250 Meisterschaft gestartet?
Ich konnte zwar Anfang Dezember wieder fahren, allerdings durfte ich bis Mitte Jänner nicht richtig trainieren, deshalb war meine Vorbereitung auf 2019 nicht ganz ideal und darum durften wir uns nicht zu viel erhoffen. Die ersten paar Rennen waren solide, danach wurde ich von einer Knieverletzung nochmal etwas eingebremst. Im Sommer kam ich dann aber in Form und die zweite Saisonhälfte war wirklich gut und ich konnte in meiner EMX250 Rookie Saison noch den 4. Platz einfahren.

Im Video-Interview hast du uns erzählt, dass du bei deinem Wildcard-Einsatz beim MX2 Grand Prix in Imola den Grundstein gelegt hast, um ins Red Bull KTM Werksteam zu kommen. Wie war das Rennen für dich?
Tja, das glaube ich zumindest, haha. Sowohl der Wildcard Einsatz in Loket, als auch der in Imola waren wirklich gute Rennen. Ich hatte in Imola nicht die besten Starts und trotzdem reichte es für den siebten Tagesrang und wir waren damit alle richtig glücklich.

Hast du direkt nach diesem Erfolg auf eine Zusage vom KTM Werksteam erhofft?
Nein, auf keinen Fall. KTM holt dich nicht ins Werksteam, nur weil du ein Rennen gut gefahren bist. Das ist eine langfristige Geschichte, die konstante Leistungen auf hohem Niveau benötigen.

Wie und wann hast du letztendlich vom Team Bescheid bekommen und was war dein erster Gedanke danach?
Der Anruf kam Anfang September. Ich war wortwörtlich sprachlos. Ich sprang einfach auf mein Bett und genoss das Gefühl.

Wie fühlt es sich nun an im selben Team wie Jeffrey Herlings, Antonio Cairoli und Jorge Prado zu sein?
Klar sind das große Namen, aber mit der Zeit ist einem das egal. Jeder wird gleich behandelt und wir helfen alle zusammen. Aber jeder macht auch irgendwie sein eigenes Ding, was auch Sinn macht, weil jeder Fahrer anders ist. Am meisten trainiere ich aber gemeinsam mit Tom.

Wie hat sich dein Wintertraining durch das Team geändert?
Die Trainings sind grundsätzlich ziemlich intensiv. Man muss immer voll da sein, um das Niveau mithalten zu können. Tag für Tag. Klar hat jeder gute und schlechte Tage, aber das ist normal. Wir waren insgesamt 4 Wochen in Spanien und den Rest in Belgien. Mit Hawkstone und Lacapelle bin ich auch zwei Pre-Season Rennen gefahren, die sonst nie zur Debatte standen.

Die EMX250 Klasse ist für das dichte Starterfeld und das enorme Niveau bekannt. Viele Top EMX Fahrer schaffen auch den Sprung in die MX2 Grand Prix Klasse. Worin liegt für dich der Unterschied zwischen den beiden Klassen?
Die Leistungsdichte in der MX2 Klasse ist einfach nochmal viel höher. Letztes Jahr war die EMX Klasse aber auch richtig gut besetzt, wenn man sieht, dass Moosdijk und Forato auch in der MX2 vorne mitgefahren sind. Ganz so stark wie letztes Jahr ist die EMX heuer vorne nicht, aber es ist dennoch das perfekte Sprungbrett in die WM.

Du hast ja bereits beim ersten Grand Prix in Matterley Basin groß aufzeigen können und einen großen Teil des zweiten Rennens anführen können. Warst du selbst überrascht, dass du bereits im ersten Rennen ganz vorne mitfahren kannst?
Ich und mein engster Umkreis haben gewusst, dass ich an guten Tagen das Tempo von Tom mitgehen kann. Wir haben aber auch gewusst, dass ein WM Lauf nichts mit einem Training zu tun hat, deshalb war unser Saisonziel von Beginn an konstant in die Top 10 zu fahren und viel zu lernen für die nächsten Jahre. Dass es so gelaufen ist, ist natürlich der Hammer, auch wenn es knapp nicht für ein Podium gereicht hat. In dem Rennen habe ich aber viel Selbstvertrauen aufgebaut, das mir den Rest der Saison sicherlich erleichtern wird.

Trotz des verpatzten zweiten Rennens in Valkenswaard liegst du auf dem 5. Gesamtrang. Vor dem Rennen haben wir in einem Interview von dir gehört, dass du im ersten Jahr hauptsächlich Erfahrungen sammeln möchtest und Top-Ten Ergebnisse einfahren willst. Hat sich die Zielsetzung nach den guten Resultaten geändert?
Trotz dem Pech im zweiten Lauf, bin ich mit Valkenswaard mehr wie zufrieden und ich habe mich sogar etwas selbst überrascht. Wir haben gewusst, dass es für mich im Sand deutlich schwerer werden wird. Deshalb sind für mich selbst, die zwei vierten Plätzen im Qualy Rennen und im ersten Lauf sogar höher einzustufen wie das Rennen in Matterley auf Hartboden. Die Zielsetzung hat sich dennoch nicht geändert, weil ich weiß, dass es eine extrem lange Saison ist und die MX2 WM einfach sehr stark ist. Und das Wichtigste ist immer noch, sich an die Intensität zu gewöhnen und viel für die nächsten Jahre zu lernen.

Die Weltmeisterschaft hat nun eine Zwangspause aufgrund der Covid-19-Pandemie eingelegt. Wie beeinflusst dich die aktuelle Situation und kannst du momentan überhaupt Runden auf deinem Motorrad drehen?
Momentan bin ich zuhause und kann nicht aufs Motorrad. Das macht aber nichts, weil die nächsten Rennen frühestens im Juni stattfinden werden. Ich mache jetzt zwei Wochen lockeres Training und werde dann mit einem Fitness Trainingsblock mit Hilfe des Red Bull Athletes Performance Center beginnen und ich hoffe im Mai wieder auf dem Bike zu sitzen.

Als Red Bull KTM Werksfahrer wird natürlich dein Ziel auch sein MX2 Weltmeister zu werden, richtig? Möchtest du in dieser Saison so viele Erfahrungen wie möglich zu sammeln, um 2021 den begehrten MX2 Weltmeistertitel zu gewinnen?
Klar ist es das mittelfristige Ziel. Es wird jedoch viel vom Winter abhängen und ob man verletzungsfrei bleiben kann. Aufgrund der Covid-19-Pandemie wird die nächste Zeit ohnehin sehr chaotisch werden, deshalb lasse ich alles auf mich zukommen. Dieses Jahr ist meine Rookie-Saison, ich habe also noch genug Zeit in der MX2 WM.

Danke an alle österreichischen Fans und Unterstützer. Auch wenn ich leider nicht mehr viel in Österreich zu sehen bin, hoffe ich trotzdem, dass man sich bei einem WM Lauf sieht. Wenn es der Renn- und Trainingskalender zulässt würde ich auch gerne Rennen in Österreich fahren, denn ich genieße jede Minute im Heimatland! Danke für eure Unterstützung und bleibt gsund! HofaBua

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