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© Johannes Kundegraber

Fahrer

Markus Mauser im CrossNews-Interview

Markus Mauser zählt mit vier Staatsmeistertitel zu den besten Athleten der österreichischen Motocross Geschichte. 2008 gab er überraschend seinen Rücktritt vom Rennsport bekannt. Zwölf Jahre später sprechen wir mit dem 36-jährigen Niederösterreicher über seine Anfänge, Erfolge und seinem Leben nach dem Motocross.

Hi Markus! Vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst. Lass und mit deinen Anfängen starten. Wie und in welchem Alter hat deine Motocross Karriere gestartet?
Das ist schon ziemlich lange her. Meine ersten Fahrversuche startete ich im Alter von cirka 3 Jahren. Mein Vater fuhr selber auch Motocross, und wenn er joggen ging, durfte ich neben ihm herfahren. Auch in einer Schottergrube ganz in der Nähe meines Wohnortes, drehte ich beliebig meine Runden. Auf spielerische Art und Weise legte ich so bei diversen Auf-und Abfahrten, Steilkurven und diversen Hügeln die Basis für eine gute Fahrtechnik.

Wann hast du deine ersten Rennen absolviert und wie hast du dich dabei geschlagen?
Mit cirka sechs Jahren fuhr ich meine ersten Rennen bei kleineren Veranstaltungen. An die genauen Ergebnisse kann ich mich nicht mehr so genau erinnern, aber ich war schon vorne mit dabei, und es machte riesig Spaß. Mit acht Jahren fuhr ich dann meine erste volle Saison mit mehreren Rennen in der 60ccm Klasse im Rahmen des Auner-Motocross-Cups. Das Besondere war, dass diese Rennen am selben Tag und auf der derselben Strecke gemeinsam mit der österreichischen Staatsmeisterschaft ausgetragen wurden. Dadurch hatte ich als junger Fahrer die Möglichkeit meine Idole, die damaligen Topfahrer, Sigi Bauer, Erwin Machtlinger, Karl Sulzer, Rupert Walkner und viele andere, zu bestaunen. Ein Erlebnis an das ich mich gerne zurück erinnere war das Motocross der Nationen in Schwanenstadt im Jahr 1993. Im Rahmenprogramm durften auch wir mit unseren 60ccm Motorrädern auf der WM-Strecke ein Rennen fahren. Die Weltelite fräste mit ihren teilweise 500ccm Zweitaktern so tiefe Rillen in die Strecke, dass wir mit unseren kleinen Bikes fast darin verschwanden. Es war eine sehr lehrreiche und extrem coole Erfahrung als junger Fahrer bei solchen Veranstaltungen dabei zu sein.

Was waren deine größten Erfolge im Motocross-Sport?
Meine größten Erfolge waren auf jeden Fall die vier Staatsmeistertitel. 2x in der Klasse MX2 im Jahr 2003,2005 und 2 x in der Klasse MX Open im Jahr 2006 u. 2007. Dreimal nahm ich beim Motocross der Nationen teil, gemeinsam mit Michael Staufer, Ossi Reisinger und Philipp Ringhofer, in Holland, Frankreich und England. Bei der MX2-EM in Schwanenstadt im Jahr 2005 erreichte ich den zweiten Platz. 1998 unternahm ich einen Ausflug zum Enduro-Sport und fuhr beim Erzbergrodeo mit. Beim Hare-Scramble am Sonntag erreichte ich den Gipfel und überquerte als 39. die Ziellinie.

Im weiteren Verlauf deiner Karriere bist du auch zum Supercross gekommen und hast beim SX in der Wiener Stadthalle, in Deutschland und sogar beim legendären Supercross in Bercy/Paris teilgenommen. Du warst auch als Supercross-Talent in Österreich bekannt. Wie bist du zum Supercross gekommen und wie ist es dir bei den Rennen ergangen?
Ja, auf den technisch sehr anspruchsvollen Strecken mit engen Kurven und hohen Sprüngen fuhr ich immer besonders gerne. 1996 nahm ich in der Jugendklasse beim Hallencross auf Holzboden im Wiener Ferry Dusika Stadion teil. Dort machte es mir schon extrem Spaß. Ronny Großkopf, der auch sehr erfolgreich Supercross-Rennen bestritt, und unter anderem 1994 die Juniorenklasse beim Supercross in Dortmund gewann, kam einmal nach einem Rennen auf mich zu und fragte, ob ich nicht mal bei einem Rennen in Tschechien teilnehmen möchte, da die technischen Strecken gut zu meinem Fahrstil passen würden. 1997 bestritt ich dann mein erstes Supercross Rennen in Bucovice (CZ). Die Strecke war sehr heftig, da sie ein 1:1 Nachbau einer US-Strecke war, mit riesigen Dreifachsprüngen, Sprungkombinationen und einem langen Waschbrett. Für mich war es eine Herausforderung diese Strecke zu bewältigen. Ein Finaleinzug war bei diesem Rennen noch nicht möglich. Im selben Jahr bekam ich beim Int. Supercross in Stuttgart einen Startplatz, und hatte dadurch die Möglichkeit mich weiterzuentwickeln. In den folgenden Jahren fuhr ich im Winter viele Rennen in Deutschland und durfte einige schöne Erfolge feiern. Dadurch bekam ich auch die Möglichkeit, wie du schon erwähntest, bei legendären Rennen wie Paris Bercy, Genua, Genf, SX-WM in Arnhem (NL), sowie beim Supercross in Montreal teilzunehmen.

Hast du Motocross oder Supercross bevorzugt?
Ich bin in beiden Disziplinen sehr gerne gefahren. Obwohl die Stimmung und die Atmosphäre mit den tausenden Fans in der Halle schon etwas ganz besonders war. Speziell bei den Heim-Supercross Rennen in der Wiener Stadthalle, aber auch bei der EM in Schwanenstadt herrschte eine super Stimmung.

2008 hast du überraschenderweise deinen Rücktritt im Alter von 24 Jahren bekannt gegeben. Was war der Grund für deinen Rücktritt aus der Motocross Szene?
Ja, es war im Frühjahr 2008 als ich nach dem Titelgewinn in der MX-Open Klasse meinen Rücktritt bekannt gab. Nachdem ich jahrelang beide Disziplinen, im Frühjahr/Sommer Motocross und im Herbst/ Winter Supercross gefahren bin, war dies eine sehr schöne aber auch eine sehr intensive Zeit mit hoher körperlicher Beanspruchung. Zusätzlich wurde es für mich immer schwieriger ein Umfeld zu schaffen, um auf diesem hohen Niveau Leistungssport zu betreiben. Dies äußerte sich dann mit körperlichen Beschwerden in der Saison 2006/2007, wo ich mit Rückenproblemen zu kämpfen hatte, und unter Schmerzen Rennen fuhr. Diese Gründe waren letztendlich ausschlaggebend für meine Entscheidung.

2010 hast du beim Motocross ÖM Auftakt in Paldau dein Comeback gefeiert und den Tagessieg einfahren können. War es nach deinem Rücktritt ein spezieller Sieg in deiner Karriere?
Nachdem ich meine Rückenprobleme in den Griff bekommen hatte, juckte mich wieder die Gas-Hand. Ich entschied mich bei einer meiner Lieblingsstrecken in Paldau und Dechantskirchen wieder ans Startgatter zu rollen. Ich bereitete mich natürlich gut auf die Rennen vor, dass es allerdings so gut lief war schon eine Überraschung.

Hast du nach diesem Erfolg über eine Rückkehr in den Rennsport nachgedacht?
Ich spielte wieder mit dem Gedanken eine komplette Saison in der MX Open ÖM zu bestreiten. Allerdings eine Handgelenksverletzung im Winter in der Vorbereitung machte mir einen Strich durch die Rechnung. Die Heilung dauerte lange und es war auch gut so, denn diese Verletzung war für mich ein eindeutiges Zeichen, dass ich nicht wieder in den Rennsport einsteigen sollte.

Nach deinem Karriereende bist du regelrecht von der Bildfläche verschwunden. Wie ging es für dich danach weiter?
Für mich war und ist wichtig nach der sportlichen Laufbahn einen Beruf zu finden, der zu einem passt. Um einen Grundstein dafür zu legen, absolvierte ich nach dem Karriereende die Berufsreifeprüfung. Nachdem ich dann anschließend mehrere Jahre einen interessanten Job in der Bank ausübte, wurde es für mich Zeit für eine Veränderung. Vor zwei Jahren begann ich die Ausbildung zum Kindergartenpädagogen und absolviere in einem Monat die Diplomprüfung. Beruflich bin ich sozusagen auf dem Weg, aber noch nicht ganz angekommen. Privat bin ich glücklich verheiratet und wir sind Eltern von zwei wundervollen Mädchen.

Letztes Jahr haben wir gesehen, dass du Motocross Trainings für den Nachwuchs gegeben hast. Werden wir in Zukunft mehr davon sehen?
Ich gebe gerne meine Erfahrungen weiter, halte gelegentlich, so wie es die Zeit erlaubt, Fahrtechniktrainings. Letztes Jahr war ich beim KTM Young.Fighterz Camp in Fresach dabei. Für mich ist es immer schön zu sehen, wie motiviert die Teilnehmer dabei sind, und wie sie bei ihrer Fahrtechnik Fortschritte machen.

Wird man dich in Zukunft bei dem ein oder anderem Rennen als Zuseher neben der Strecke sehen und bist du noch aktiv auf dem Motorrad unterwegs?
Ich fahre immer noch leidenschaftlich gerne gelegentlich Motocross und betreibe es als Hobby. Ich verfolge die Rennergebnisse, und manchmal sind wir mit den Kindern bei den Rennen als Fans dabei.

 Würdest du rückblickend auf deine Karriere etwas anders machen?
Das ist eine gute Frage. Nein nicht wirklich. Rückblickend gesehen habe ich im Rahmen meiner Möglichkeiten viel erreicht in diesem Sport, womit ich sehr zufrieden bin. Auch der Zeitpunkt des Rücktritts war genau richtig für mich. Es war eine gute Entscheidung auf meinen Körper zu hören. Ich bin sehr dankbar für die sportliche Laufbahn, so wie ich sie erleben durfte. Die Erfolge, die vielen Erlebnisse, das Reisen im Wohnmobil, die Höhen und Tiefen die zum Sport dazugehören, all das war eine sehr schöne, intensive und auch prägende Zeit, an die ich mich gerne zurückerinnere. Diese sportliche Laufbahn wurde auch nur möglich, durch die tatkräftige Unterstützung meiner Eltern sowie meiner Frau und meinen Sponsoren.

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