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© JP Acevedo/KTM

Fahrer

Interview: Rene Hofer – Saison 2020

Der österreichische Red Bull KTM MX2 Werksfahrer Rene Hofer konnte bei seinem ersten Jahr in der Weltmeisterschaft bereits beim Auftakt in Großbritannien groß aufzeigen. Leider kam er in Lettland schwer zu Sturz und musste nach einem zugezogenen Bruch in der Schulter seine Saison vorzeitig beenden. Nach dem Sturz wurde es etwas ruhiger um den Oberösterreicher und wir nahmen dies zum Anlass um dem sympathischen 18-Jährigen ein paar Fragen zu seinem aktuellen Zustand und zu seinem Jahr 2020 zu stellen.

Hi Rene. 2020 konntest du dir einen großen Traum erfüllen und bist mit dem Red Bull KTM Werksteam in der MX2 Weltmeisterschaft an den Start gegangen. Beim ersten Grand Prix in Matterley Basin hattest du einen phänomenalen Auftakt, als du im zweiten Lauf die ersten 10 Runden das Feld anführen konntest.  Was ging dir durch den Kopf, als du in Führung gegangen bist?

Rene: Es war natürlich überwältigend endlich den ersten GP im Werksteam zu fahren. Die Pre-Season Rennen waren schon ziemlich cool, aber ein GP ist eben nochmal was ganz anderes. Matterley Basin ist wahrscheinlich generell meine Lieblingsstrecke, also war es natürlich super dort in die Saison zu starten. Ich habe im ersten Lauf lange ums Podium gekämpft, bevor ich gegen Ende hin ein paar Fehler machte und am Ende Achter wurde. Im zweiten Lauf hatte ich dann einen super Start und lag zu Beginn des Rennens knapp hinter Jago. In der ersten Runde übernahm ich die Führung und hab es dann einfach mal genossen. Als ich dann das erste Mal an der Box vorbei bin und alle aus meiner Teambox rausgeschrien haben, hab ich eigentlich erst realisiert, das ich ja einen WM Lauf anführe, haha.

Schlussendlich musstest du dich nur von deinem Teamkollegen und späteren Weltmeister Tom Vialle geschlagen geben. Warst du selbst überrascht, dass du so schnell ganz vorne mitmischen konntest und wie ist das weitere Rennen aus deiner Sicht verlaufen?

Die erste Hälfte des Rennens war eigentlich ganz easy, ich war locker drauf und fuhr einfach so wie ich es im Training auch mache. Mitte des Rennens fing es dann heftig an zu regnen, ich konnte mich aber trotzdem weiterhin knapp vor Tom behaupten und wir hatten schon einen ziemlich komfortablen Vorsprung auf den Rest des Feldes herausgefahren. Am Ende hatte Tom einfach etwas mehr Reserven, aber ich war mit P2 natürlich mehr als nur zufrieden, also war das schon ok so. Die Trainings mit Tom im Winter haben mir definitiv geholfen im Rennen so ruhig zu bleiben, weil ich einfach wusste, dass ich im Training auf Hartboden auch mit ihm mithalten konnte und somit fiel mir das alles etwas leichter. Noch überraschender kam dann eigentlich P4 im Sand von Valkenswaard, das war für mich persönlich wahrscheinlich genauso wertvoll wie das Rennen in Matterley.

War auch ein kurzer Moment der Enttäuschung zu spüren, da du nur ganz knapp deinen ersten Sieg in der MX2 Weltmeisterschaft versäumt hast?

Zu Beginn eigentlich nicht und fürs Team war es natürlich auch perfekt, den ersten Doppelsieg einzufahren. Am nächsten Tag nervt es einen dann schon ein bisschen, dass man es dann eben nicht ganz durchgebracht hat, aber von Enttäuschung kann man sicher nicht sprechen. Im Nachhinein gesehen war Tom der absolut Beste in diesem Jahr und man kann vor seiner Leistung in dieser Saison einfach nur den Hut ziehen. Auch wenn er mir den ersten Sieg gekostet hat, bin ich trotzdem sehr froh ihn als Teamkollegen zu haben, haha.

Beim Triple GP im August hattest du dann leider einen heftigen Sturz in Lettland. Was genau ist dabei passiert?

Ich habe einfach in der Kompression einen Schlag bekommen, bin ins Gas gefallen und heftig abgeflogen. Zu Beginn hatten wir die Hoffnung, dass die Schulter nur luxiert ist, aber am Ende wurde eben doch ein Bruch festgestellt. Die ersten Röntgenbilder sahen echt schlimm aus und bis ich 30 Stunden später endlich in Österreich ankam, hatte ich extreme Schmerzen auszuhalten. Im Klinikum Wels haben sie aber dann einen perfekten Job gemacht und mithilfe von Dr. Lang ist jetzt alles wieder richtig platziert.

Wie ist deine Rehabilitation bislang verlaufen?

Nach der Operation musste ich mal ca. einen Monat pausieren und danach begann ich die Reha im Red Bull Athletes Performance Center. Ich war gut zwei Monate dort und mit deren Hilfe bin ich körperlich jetzt wieder top in Schuss und werde für 2021 perfekt vorbereitet sein. Vor allem die ersten paar Wochen waren eine richtig schwere Zeit, jetzt bin ich aber sowohl körperlich als auch mental wieder genau da wo ich sein will.

Wann wirst du das Training auf dem Motorrad wieder aufnehmen können?

Anfang Dezember wird das Metall aus der Schulter wieder entfernt und damit kann ich mit dem neuen Jahr wieder völlig gesund zurück aufs Bike.

Die bevorstehende Saison startet am 3. April und somit ein Monat später als geplant. Damit hast du nach deiner Verletzung natürlich auch länger Zeit, um dich vorzubereiten. Wie genau sieht dein Training im Winter zur Vorbereitung für die Saison aus?

Ja, für mich ist das richtig gutes Timing. Damit hab ich 3 Monate am Bike bevor die Saison beginnt, was absolut ausreicht. Ich werde, je nach Covid-19 Situation die meiste Zeit in Belgien und Spanien verbringen und im März noch das ein oder andere Vorbereitungsrennen fahren.

Infront Moto Racing hat kürzlich bereits den provisorischen Kalender veröffentlicht. Hast du spezielle GPs ins Auge gefasst, auf welche du dich am meisten freust?

Hoffentlich können nach Teutschenthal und Loket viele österreichische Fans kommen und mich anfeuern. Weiters freu ich mich auch auf die Trips nach Russland 1, Schweden und Argentinien besonders. Hoffentlich kommt auch Matterley Basin noch in den finalen Kalender, weil es einfach von den meisten Fahrern die Lieblingsstrecke ist.

KTM hat vor wenigen Tagen veröffentlicht, dass du mit dem Italienier Mattia Guadagnini einen weiteren Teamkollegen hast. Ihr hattet ja auch bereits eine Rivalität in der EMX125 Saison. Konntest du ihn schon kennenlernen?

Ja, Mattia und ich hatten 2018 schon einige gute Fights und wir kommen auch gut miteinander aus. Wir sind jetzt mit 3 Fahrern richtig gut aufgestellt und können mit dem Team über die Saison sicherlich viele gute Resultate einfahren. Mit Mattia werde ich allerdings nicht so viel zu tun haben, weil er bei den DeCarli’s in Italien stationiert ist und Tom und ich, gemeinsam mit Jeffrey in Belgien.

Im letzten Interview hast du uns erzählt, dass dein Ziel in der ersten Saison Top 10 Platzierungen sind. Jetzt hast du bereits bewiesen, dass du auch ganz vorne mitmischen kannst. Welche Ziele steckst du dir für 2021?

Natürlich müssen wir jetzt mal abwarten, wie die Saisonvorbereitung nach meiner Verletzung verläuft. Grundsätzlich werde ich aber von Rennen zu Rennen schauen und keine Gesamtplatzierung ins Auge fassen. Ziel ist es aber sicherlich ums Podium zu kämpfen, was mir ja dieses Jahr bei den ersten beiden Rennen schon ganz gut gelungen ist!

© Bild: Ray Archer/KTM

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