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Technik

Yamaha YZ125 und YZ250 2022 Modelle im Test

Nach der internationalen Yamaha YZ250F Pressevorstellung im vergangenen Jahr in Bielstein, Deutschland, ging es für uns mit großer Freude Mitte September auf die bekannte “Dornoland” Motocross-Strecke nach Italien, um ausschließlich die brandneuen YZ125 und YZ250 Zweitakt-Modelle 2022 zu testen. Die Streckenbetreiber haben eine perfekt präparierte Strecke für den Test bereitgestellt und wir konnten die Standard-Modelle im Monster Energy Design, sowie jeweils ein Modell mit den GYTR-Performance Tuning-Teilen fahren.

YZ125

Die größten Veränderungen gab es bei der YZ125, die über einen komplett überarbeiteten Motor, ein stark verbessertes Fahrwerk, stärkere Bremsen und eine verbesserte Ergonomie verfügt. Aber gehen wir nun etwas detaillierter auf die einzelnen Veränderungen und die daraus resultierenden Fahreindrücke bei unseren Testfahrten ein.

Leistung

Nahezu alle wichtigen Komponenten des 2022-Motors sind neu: Zylinderkopf, Zylinder und Kolben der YZ125 wurden im Rahmen des Strebens nach mehr Performance und verbesserten Leistungsmerkmalen komplett neu designt. Zu den wichtigsten Änderungen gehören ein neu geformter Verbrennungskasten sowie ein kürzerer Auslasskanal und überarbeitete Zylinderöffnungen, die eine deutliche Verbesserung der Verbrennungseffizienz bewirken sollen. Dazu wird ein neu designtes YPVS verwendet. Der maximale Hub des neuen Auslassventils wurde überarbeitet, und auch die Zeitpunkte des Öffnens und Schließens wurden modifiziert. Ein weiteres wichtiges Feature des neuen Motors ist die Verwendung eines Keihin PWK 38,1 mm Vergasers, der mit einem magnetgesteuerten Power Jet ausgestattet ist. Dazu wurde auch eine längere Pleuelstange sowie eine etwas stärkere Kurbelwelle verbaut.

Ein weiteres Schlüsselmerkmal der neuen YZ125 ist ihr komplett neu designtes Luftansaugsystem mit einer Neugestaltung des Heckrahmens und der Seitenteile, sowie die Umformung der Sitzbankbasis, das den Widerstand für die einströmende Luft um 15% reduziert und damit einerseits zur Verbesserung der Zugkraft bei mittleren bis hohen Drehzahlen und auch andererseits die Gasannahme bei niedrigen bis mittleren Drehzahlen verbessert. Dazu wurde auch ein neues Auspuffrohr und ein kürzerer Schalldämpfer verbaut und auch das 6-Gang-Getriebe verstärkt. Alle Änderungen im Detail findet ihr im Bericht “Die Yamaha 2022 Offroad-Competition-Range mit einer komplett neuen YZ125”

Auf der spektakulären “Dornoland” Strecke mit sandigem Untergrund war auch die Leistungssteigerung in allen Drehzahlbereichen im Vergleich der Vorgänger zweifelsfrei deutlich zu spüren. Vor allem jedoch im mittleren und oberen Drehzahlbereich waren wir von der Motorcharakteristik positiv überrascht, da wir uns bei den älteren Modellen in diesem Bereich etwas mehr Leistung gewünscht hätten. Man konnte sehr gut aus den teils tiefen sandigen Anliegern beschleunigen,  ohne dass Power gefehlt hätte. Wie bereits erwähnt war die Strecke perfekt präpariert, daher konnten wir beim Test nicht beurteilen, wie die Motorleistung im unteren Drehzahlbereich bei rutschigen und engen Kurven ist. In diesem Jahr hat Yamaha mit der neuen Yamaha YZ125 und den zahlreichen Änderungen am Motor jedenfalls einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Handling und Bremsen

Die 2022 YZ125 ist mit einem schlankeren Tank, einer neuen Sitzbank und überarbeiteten Grafiken ausgestattet. Die Breite zwischen den Knien des Fahrers wurde um fast 36 mm reduziert und die Oberseite des Sitzes wurde auf der Vorderseite um 6 mm abgesenkt und auf der Rückseite um 5 mm angehoben. Die Form des vorderen Kotflügels wurde ebenfalls überarbeitet, um einen aerodynamischeren und dynamischeren Look zu erzielen.
Für mehr Bremskraft und ein präziseres Gefühl ist das neue Modell mit einem neuen, steiferen Doppelkolben-Bremssattel und einer neu designten Bremsscheibe mit 270 mm Durchmesser ausgestattet.

Das schlankere Design der 125er bestätigte sich bei den Testfahrten und das Motorrad fühlte sich in allen Belangen sehr leicht und handlich an. Auffällig war auch, dass das Motorrad im Bereich der Kühler schmäler geworden ist und es damit gerade im Kurveneingang und in den Rillen sehr stabil und gleichzeitig sehr wendig gewirkt hat. Auch die flachere Sitzbank, welche vorne abgesenkt und auf der Hinterseite etwas angehoben wurde, hat sich in den Kurven positiv bemerkbar gemacht. Wie zu erwarten, hat die verbesserte Vorderrad- und Hinterradbremse, wie auch wie im vergangenen Jahr bei der YZ250F, gute Arbeit geleistet.

Fahrwerk

Die KYB-Vorder- und Hinterradaufhängungssysteme der YZ125 gelten als die besten ihrer Klasse und enthalten eine Blattfeder im Ventildesign, die eine hervorragende Dämpfung bei mittleren Geschwindigkeiten bietet. 2022 wurden die high-spec Fahrwerksteile weiter verbessert und sowohl die Vorderradgabel als auch das hintere Federbein verfügen über eine überarbeitete Dämpfungs-Charakteristik bei niedrigen Geschwindigkeiten für ein verbessertes Fahrverhalten.

Zu Beginn des Testtages fanden wir, wie bereits im Artikel erwähnt, eine perfekt präparierte Strecke vor, wodurch eine genaue Bewertung des Fahrwerks nicht möglich war. Im Laufe des Tages fuhren sich einige Rillen sowie Anbrems- und Beschleunigungslöcher heraus und das seit Jahren hoch gelobte KYB Fahrwerk von Yamaha überzeugte auch bei den neuen Zweitakt-Modellen mit einem sehr guten und stabilen Fahrverhalten. Teilweise haben wir uns bei den zahlreichen Sprüngen in Dorno etwas verschätzt, wobei das Fahrwerk einen harten Aufprall sehr gut absorbierte. Die Strecke war logischerweise nicht ausgefahren, wie es bei den Rennen der Fall ist, daher können wir das Fahrwerk bei schwierigeren Bedingungen nicht beurteilen. Auf der Strecke in Dorno hat das Fahrwerk jedoch auf voller Linie überzeugt.

GYTR-Performance

Entwickelt für ambitionierte Rennfahrer bietet Yamaha auch ein komplettes GYTR-Performance Kit für rund € 2.500 an. Dieses Tuning-Kit enthält einen vorgebohrten Zylinder, Zylinderkopf, Ansaugsystem, Kolbensätze, Auspuff, Rotor – alles was benötigt wird, um die Rennleistung des Motorrads zu erhöhen.

Yamaha hat uns beim Test auch eine YZ125 mit dem kompletten GYTR-Kit zum Testen bereitgestellt und der Unterschied zur Standard-Edition war enorm. Eine weitere Leistungssteigerung war deutlich in allen Bereichen zu erkennen. Auf dem sandigen Untergrund war der Fun-Faktor dadurch nochmals etwas höher.

YZ250

Nach den vielseitigen Änderungen bei der YZ125, präsentierte Yamaha auch eine überarbeitete YZ250 mit einigen Neuerungen für das Modelljahr 2022. Im Gegensatz zum kleineren Modell, gab es beim bereits leistungsstarken Motor keine Änderungen zum Vorjahresmodell. Jedoch wurde auch die YZ250 mit einem komplett neuen Bodywork ausgestattet, das dem Design der YZ125 ähnelt und eine starke horizontale Linie aufweist. Der neue Tank und die Kühlerverkleidungen sorgen für deutlich schmalere Abmessungen zwischen den Knien des Fahrers und damit für mehr Bewegungsfreiheit bei Gewichtsverlagerungen und Kurvenfahrten. Wie auch bei der YZ125 wurde die Sitzbank neu gestaltet, der hintere Kotflügel und Seitenpanele für eine verbesserte Luftansaugeffizienz verändert und das Motorrad mit leichteren und stärken Bremsen ausgestattet. Zudem verfügt das Motorrad über überarbeitete Federungseinstellungen und über gewichtssparende Komponente. Details dazu findet ihr ebenfalls im Bericht “Die Yamaha 2022 Offroad-Competition-Range mit einer komplett neuen YZ125”

Für unseren Testfahrer Uwe ging es bei der ersten Fahrt direkt mit der YZ250 auf die Strecke und es war schnell klar, dass keine Änderungen am Motor notwendig waren. Die Leistung war in jedem Drehzahlbereich enorm und aus unserer Sicht für jeden Fahrer, egal ob “Weekend-Warrior” oder ambitionierter Rennfahrer mehr als ausreichend. Da man auch bei nationalen Rennen in der MX2 Klasse mit der YZ250 antreten darf, kann man hier auch von der Power des Motorrads profitieren. Am meisten auffallend war bei der großen Schwester der YZ125 die Änderungen des Bodyworks, wodurch sich das schmälere Motorrad im Vergleich mit den alten Modellen um einiges handlicher und fahrbarer anfühlte. Das Fahrwerk arbeitete, wie bei der YZ125 berichtet, ähnlich gut und die Verbesserungen der Bremsen waren jedoch bei der YZ250 noch etwas mehr zu spüren, da man aufgrund der Motorleistung die Bremsen härter einsetzen musste. Die GYTR-Edition war mit einem von Yamaha entwickeltem Rennauspuff ausgestattet, wodurch sich die Leistungsentfaltung noch etwas verbesserte und das Motorrad vor allem beim Beschleunigen aus den Kurven besser dosierbar war.

Fazit

Es war in diesem Jahr wieder ein tolles Event, dass Yamaha auf die Beine gestellt hat und wir freuen uns, dass im Modelljahr 2022 der Fokus bei den Zweitakt-Modellen liegt. Die YZ125 und YZ250 wurden in den vergangenen Jahr kaum weiterentwickelt und Yamaha ist es definitiv gelungen, konkurrenzfähige Motorräder im Zweitakt-Segment anbieten zu können. Da unser Testfahrer seit mehr als 15 Jahren auf 125ccm Maschinen unterwegs ist, war es auch nicht überraschend für uns, dass die YZ125 vom Fun-Faktor für ihn nicht zu überbieten war. Auf einer der beliebtesten europäischen Strecken mit der brandneuen YZ125 zu fahren, war ein absolutes Highlight. All jene Fahrer, die auf der Suche nach mehr Power sind, können wir die YZ250 definitiv weiterempfehlen. Etwas schade finden wir, dass in diesem Jahr die MX Pro Tour von Yamaha keinen Stopp in Österreich macht, dennoch habt ihr heuer noch die Möglichkeit, alle neuen Yamaha Modelle bei den nationalen Test-Days auszuprobieren. Details dazu gibt es in Kürze.

 

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