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© Ray Archer/KTM

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Die Erfolgsgeschichte von Rene Hofer 2002-2021

Das österreichische Motocross Ausnahmetalent Rene Hofer wurde, wie bereits berichtet, auf tragische Art und Weise bei einem Lawinenabgang am Samstag, dem 4. December 2021, zusammen mit seinen Freunden Michi Weissmann und Basti Wolf, viel zu früh aus dem Leben gerissen. Im Alter von nur 19 Jahren kann der immer sympathische Alberndorfer eine einzigartige Motocross-Karriere aufweisen. Zu Ehren von Rene, möchten wir euch diese nochmals im Detail näher bringen:

© Ray Archer

Seine Anfänge im Motocross-Sport machte Rene mit bereits dreieinhalb Jahren, als er von seinem Vater Reinhard sein erstes Motorrad geschenkt bekam. Bereits seit diesem Zeitpunkt erhielt Rene volle Unterstützung von seinen Eltern Reinhard und Karin, sowie auch von seiner Schwester Nadine. In unserem Interview im März 2020 sagte er: In unserer Familie war Motorsport schon immer ein großes Thema, also habe ich versucht es schnell zu lernen.“ Im Alter von fünf Jahren nahm er dann bei seinen ersten Rennen teil und bereits in sehr jungen Jahren startete er bei internationalen Veranstaltungen. Ende 2012 begann die Karriere vom damals 10-Jährigen professioneller zu werden, als er von Robert Jonas ins Youngblood Racing Team geholt wurde. „Ich habe mit ihm begonnen professionell an meiner Fitness zu arbeiten, was mir auch jetzt immer noch sehr zu Gute kommt,“ fügte er im damaligen Inteview hinzu.

© Erwin Hetfleisch

Der nächste große Sprung in seiner Karriere war die Teilnahme beim KTM Juniorenprogramm mit 4 Fahrern, die zur damaligen Zeit von seinem Langzeit-Coach Didi Lacher gegründet wurde. Von diesem Zeitpunkt wurde sehr viel an seiner Technik gearbeitet und das Ziel war bereits 2015 bis 2020 es in die Weltmeisterschaft zu schaffen. 2015 kam auch der erste große nationale Erfolg mit dem Jugend ÖM Staatsmeistertitel sowie Podiumsplatzierungen in Tschechien und in der Europameisterschaft. Infolgedessen ging es mit seiner Karriere steil bergauf und die ersten großen internationalen Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. 2016 wurde Rene in der 85ccm Kategorie Weltmeister, Europameister und gewann zudem die ADAC MX Masters Junior Serie.

© Juan Pablo Acevedo

Im folgenden Jahr kam dann für Rene der Umstieg auf 125ccm. In seinem Rookie-Jahr erzielte er in der EMX125 Europameisterschaft sowie im 125 Weltmeisterschaftslauf jeweils den 5. Rang mit dem großen Ziel den Titel im Jahr 2018 zu gewinnen. Gut vorbereitet startete der Alberndorfer mit einem Doppelsieg in der EMX125 in Valkenswaard in die Saison. Zu diesem Zeitpunkt zählte dieser Sieg zu seinem größten Highlight, wie er uns damals erzählte: Natürlich war die 2016er Saison mit dem Junioren WM und EM Titel ein Highlight. Allerdings muss ich sagen, dass mein Doppelsieg beim ersten Rennen der EMX125 2018 fast noch schöner war.“ 

© Ray Archer

Rene führte die EMX125 Gesamtwertung und auch den ADAC Youngsters Cup an, bis zu seinem schweren Sturz in Tensfeld. Eine Beckenringfraktur zerstörte seine Hoffnungen vom Doppelerfolg, doch der damals 16-Jährige kämpfte sich mit harter Arbeit zurück und sollte in seiner weiteren Karriere noch einige herausragende Erfolge einfahren.

Trotz der großen Titelchancen in der EMX125 Kategorie, entschloss sich Rene und sein Team im Jahr 2019 in die stark umkämpfte EMX250 Klasse zu wechseln. Durch die Verletzung verlief die Vorbereitung nicht optimal, wir trafen Rene beim Training in Oberdorf im Burgenland und holten ihn vor unsere Linse:

Am Ende der EMX250 Saison 2019 konnte der Österreicher den tollen 4. Gesamtrang einfahren. Zudem feierte er mit dem ADAC MX Youngsters Titel seinen nächsten großen Erfolg. Mit einer Wildcard ging er dazu bei der MX2 Weltmeisterschaft in Imola, Italien an den Start und überzeugte nicht nur die Fans, sondern auch das KTM Werksteam mit dem 7. Rang, denn am 26. September durften wir berichten, dass Rene Hofer einen Vertrag bei Red Bull KTM unterzeichnet hat. Rene wurde zudem beim Motocross der Nationen der Award zum besten Rookie überreicht. Der Anruf kam Anfang September. Ich war wortwörtlich sprachlos. Ich sprang einfach auf mein Bett und genoss das Gefühl.“

Mit dem sensationellen Jahr 2019 erreichte Rene sein erstes großes Ziel und bereitete sich im Winter für seine erste komplette MX2 Weltmeisterschaft in einem der besten Teams der Welt vor. Fast genau ein Jahr nach unserem Shooting, trafen wir Rene erneut in Oberdorf. Dies ließen wir uns natürlich nicht entgehen und packten unsere Kamera für ein 2. Shooting aus:

Die MX2 Weltmeisterschaft 2020 startete am 1. März mit dem Grand Prix in Matterley Basin, wo Rene bei seinem ersten WM-Auftritt als KTM Werksfahrer sein Team und seine Fans beeindruckte. Im zweiten Rennen führte die Nummer 711 für mehr als zehn Runden das Fahrerfeld and und beendete das Rennen hinter seinem Freund und Teamkollegen Tom Vialle auf Rang 2. Nach diesem Rennen stand endgültig fest, dass Rene Hofer an der Weltspitze angekommen ist. Nach der COVID-19 Zwangpause folgten drei Rennen in Lettland, wo sich Rene eine komplizierte Fraktur in seiner Schulter bei einem Crash zugezogen hatte. Seine Saison war damit beendet und der Weg zurück auf das Motorrad war ein steiniger Weg für den damals 18-Jährigen.

© Ray Archer

Zu Beginn der WM Saison 2021 überzeugte Rene mit konstanten Top-Five Resultate bis er beim Motocross of Nations in Mantova die MX2 Wertung für sich entscheiden konnte. Dieser Erfolg schien der absolute Durchbruch für den Oberösterreicher zu sein. Denn nur eine Woche später feierte er mit zwei souveränen Rennläufen sein erstes MX2 Tagespodium im Talkessel von Teutschenthal. Ende Oktober schrieb Rene Hofer Geschichte: Mit einem 4. Rang und seinem ersten Laufsieg feierte er zugleich seinen ersten MX2 Grand Prix Sieg im italienischen Pietramurata. Nur eine Woche später bestätigte Rene seine Top-Form mit einem weiteren souveränen Laufsieg in Mantova. In der MX2 GP Gesamtwertung belegte die #711 den 6. Rang.

Die Formkurve zeigte steil nach oben und Rene zählte mit den herausragenden Leistungen gegen Ende der Saison schnell zu den Titelanwärtern für die bevorstehende Saison 2022, doch eine schreckliche Tragödie änderte alles. Wie berichtet, wurde Rene Hofer und seine beiden Freunde Michael Weißmann und Bastian Wolf am 4. Dezember 2021 bei einem Lawinenunglück viel zu früh aus dem Leben gerissen. Die Motocross-Community aus der ganzen Welt zeigten eine große Anteilnahme. Auch ein Statement von seinen Arbeitskollegen ließ nicht lange auf sich warten:

Jeffrey Herlings, Teamkollege von Red Bull KTM Factory Racing: „Eine verheerende Nachricht. Rene war ein wundervoller Junge, so respektvoll und nett. Ich habe ihn nach einem Grand Prix-Sieg lächeln sehen und ich habe ihn nach einem 15. Platz lächeln sehen. Er war immer einer der glücklichsten Mitglieder des Teams und das macht es noch schwieriger, dass er weg ist. Ich hatte großen Respekt vor ihm als Fahrer und mehr als Mensch. Der Junge hat mir so gut gefallen. Dies ist eine schwer zu schluckende Pille. Ich hörte die Nachricht kurz bevor ich bei den FIM Awards auf die Bühne ging und hatte Tränen in den Augen. Es muss so schwer für seine Familie sein und mein Herz ist bei ihnen. Es ist sehr traurig für die gesamte Motocross-Community, dass ein Talent wie Rene gestorben ist.“

Pit Beirer, KTM Motorsport-Direktor: „Im Sport und im Leben gibt es viele Höhen und Tiefen und manche Momente, die schwer zu akzeptieren sind. Rene – der ein so junges und geschätztes Mitglied unseres Teams und unserer Familie war – auf diese Weise zu verlieren, ist fast unglaublich. Unser ganzes Herz ist bei der Familie Hofer. Rene war ein Kind, das drängte und drängte, um dorthin zu gelangen, wo er war. Er war ein Typ, der gelebt hat, um Teil des Red Bull KTM-Teams zu sein, aber wusste, dass das Erreichen der MX2 nur der Anfang war. Die Art und Weise, wie er arbeitete und sein Leben dem Rennsport widmete, noch bevor er 20 Jahre alt wurde, ist für jeden ein Vorbild. Rene, wir werden dich vermissen.“

Dirk Gruebel, Red Bull KTM Factory Racing, Teammanager: „Rene kam mit einem gewissen Druck ins Team, mit dem keiner der anderen Jungs fertig werden musste. Er war eine große Hoffnung für Österreich. Es ist ein Beweis für ihn, dass er selbst in seinem jungen Alter nie wirklich das Gewicht dieser Erwartung gezeigt hat. Er war so jung und war in einem großen, erfolgreichen Team, umgeben von Meistern, aber es hat ihn nie gestört. Viele Leute haben über seine Persönlichkeit gesprochen und genau das haben wir gefunden: ein lebenslustiges, glückliches Kind, das glücklich war, an dieser Stelle zu sein, aber auch todernst, als Fahrer und Profi zu arbeiten und voranzukommen. Er hatte auch eine brillante Familie um sich, die genau die richtige Unterstützung hatte. Rene stand am Anfang seiner Karriere und hatte in seiner ersten richtigen Saison bei uns schon so viel erreicht. Er ist viel zu früh gegangen und hat eine große Lücke in unserem Team und unserem Leben hinterlassen.“

Robert Jonas, KTM VP of Motorsport Offroad: „Es ist schwer zu beschreiben, wie sehr wir Rene vermissen werden und wie sich diese Nachricht auf unser Team und das gesamte Unternehmen ausgewirkt hat. Wir kannten uns schon lange. Als Hobby habe ich früher eine kleine Juniorenmannschaft geleitet. Wir nannten es „Youngblood Racing“ und versuchten, junge Österreicher auf ihrem Weg nach oben im Motocross zu unterstützen. Rene kam mit 11 zu uns. Ich versuchte, mit meiner Erfahrung im Rennsport und mit Trainingsratschlägen zu helfen und Rene fragte, wie man sich als Motocross-Profi vorbereiten kann, also lud ich ihn zu einem Fitnesstest bei mir zu Hause ein und schrieb ein Training Zeitplan für ihn. Es war ein 14-Stunden-Wochen-Ausdauerprogramm kombiniert mit Rumpfstabilisierungsübungen, Stretching und auch Erholung inklusive: Ich erklärte ihm, dass es ein Trainingsplan für einen erwachsenen Fahrer sei und bat ihn, einfach ein paar Kleinigkeiten auszuprobieren, ein Gefühl für das Training bekommen und mir in etwa sechs Wochen Feedback geben. Also kam Rene nach diesen sechs Wochen mit einem Trainingsbericht zu mir zurück, er hatte jede einzelne aufgeführte Einheit gemacht und fragte mich: „Was kommt als nächstes?“. Ich habe noch nie zuvor eine solche Entschlossenheit von einem 11-jährigen Kind gesehen und in diesem Moment erkannte ich – bereits um seine fahrerischen Fähigkeiten wissend -, dass dieses Kind etwas Besonderes war. Rene war ein sehr harter Arbeiter und nichts war wichtiger als seine Rennen und sein Training. Er arbeitete sich bis ganz nach oben und begeisterte auf seinem Weg viele junge nationale und internationale Fahrer. Rene war ein außergewöhnliches Kind. Ich bin so dankbar für seine Freundschaft.“

Didi Lacher, Trainer, Mentor und Freund: „Für mich war es ein Privileg, sechs Jahre mit Rene zusammenzuarbeiten. In dieser Zeit wurde er ein guter Freund und ein hungriger Junge, der so entschlossen war, im MXGP erfolgreich zu sein. Er war ein sehr guter Motocross-Fahrer, aber vor allem hatte er einen sehr herzlichen Charakter. In den letzten Tagen konnte man sehen, wie viele Menschen er erreicht hat. Ob durch seine Freundlichkeit, seine Leidenschaft für das, was er tut, sein Lächeln oder seine Offenheit, Rene war ein Typ, den viele Leute mochten und das ist ziemlich selten. Es ist so sehr traurig, dass er gerade gegangen ist, als sein Leben und seine Geschichte begonnen haben, aber ich denke, seine Familie kann einen kleinen Trost vertragen, dass sie einen so starken und positiven jungen Mann großgezogen haben. Ich werde ihn vermissen.“

Valentina Ragni, Red Bull KTM Factory Racing, Teamkoordinatorin: „Rene war ein Junge, den alle liebten, weil er immer glücklich war, mit diesem süßen, glücklichen Gesicht. Er hatte ein ansteckendes Lächeln. Für mich sind die Fahrer fast wie meine eigenen Kinder und Rene war der Jüngste. Er war sehr warmherzig und wir haben viel Witze gemacht. Er war ein cooles Kind. Ich erinnere mich, dass er vor ein paar Monaten mit lockigem Haar zu einem Rennen kam und ich scherzte, dass er wegen seines Stils mein „Ricciolino“ war. Beim Grand Prix in Arco di Trento sagte er zu mir „Vale, ich habe eine Überraschung für dich…“ und zeigte mir diesen Ricciolino Butt Patch, den er speziell für das italienische Rennen angefertigt hatte. Er gab mir die Hose und signierte sie mit ‚Ricciolina‘. Es war ein schönes und exklusives Geschenk und fasste ihn einfach zusammen. Es war etwas Besonderes, als er es tat, und jetzt ist es leider zehnmal besonders. Ich erinnere mich auch an das letzte Rennen des Jahres in Mantua. Jeffrey [Herlings] war punktgleich für die Meisterschaft und vor dem Start des letzten Rennens stand ich wie immer allein am Gatter. Es war eine sehr angespannte und nervöse Zeit. Jemand kam auf mich zu und umarmte mich von hinten. Es war Rene, und er begann nach seinem Teamkollegen zu schreien. Es war ein weiterer Moment, in dem ich sehr dankbar und sehr beeindruckt davon war, wer er war und wie er war. Er hat sich dieses Jahr wirklich mit dem Team verbunden und ich habe einige großartige Erinnerungen daran, als wir alle zwischen aufeinanderfolgenden Rennen in Hotels und an Orten übernachteten. Sie werden bei mir bleiben.“

Joel Smets, Red Bull KTM Factory Racing, Motocross Racing Sports Director: „Rene auf diese Weise zu verlieren, ist ein großer Verlust für das Team, den Motocross-Sport und natürlich für seine ganze Familie und die Leute, die ihn kannten. Er war ein Kind, das über seine Jahre hinaus reif war, und er hatte eine lange und vielversprechende Karriere vor sich. Ich erinnere mich, dass Rene mit allem sehr kalkuliert war. Er war kein Typ, der impulsive Bewegungen machte oder verrückte Risiken einging. Als wir zum Beispiel BMX fuhren, bat ich ihn, ein Hindernis zu versuchen, und er tat es nur, wenn er sich zu 110% sicher war! Zu sehen, was mit ihm passiert ist, macht es doppelt traurig und doppelt unfair. Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich ihn beim Training nicht sehen werde.“

Tom Vialle, Teamkollege von Red Bull KTM Factory Racing: „Es ist hart und schwer zu akzeptieren, dass Rene gegangen ist. Wir waren zwei Jahre lang Teamkollegen und standen uns sehr nahe: Ich glaube, 90 % meiner Trainingszeit verbrachte ich auch mit ihm. Fast jeden Tag im Fitnessstudio. 2021 haben wir viel Zeit miteinander verbracht und sind auch zu Rennen gereist. Wir hatten Spaß, wir gingen ins Kino, in Restaurants. Wir stehen uns in unserem Team alle ziemlich nahe, daher war dies eine wirklich schwierige Zeit. Ich habe viele Erinnerungen an Rene und sie waren alle gut und ich denke, das sagt auch viel darüber aus, was für ein guter Kerl er war.“

Lieber Rene, danke für die vielen schönen Momente, die du mit uns geteilt hast. Du bleibst für immer in unseren Herzen – wir werden dich nie vergessen!

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