Der 15-jährige Österreicher überzeugt mit Quali-Bestzeit auf der tiefen Sandstrecke, muss im Rennen jedoch den Nachwirkungen einer Erkrankung Tribut zollen.
Für Ricardo Bauer verlief das EMX125-Wochenende in Riola Sardo alles andere als ideal. Der 15-jährige Österreicher, der für das Norman KTM Racing Team in der Motocross Europameisterschaft an den Start geht, reiste gesundheitlich angeschlagen zur dritten Runde nach Sardinien. Bereits am Sonntag zuvor bekam Bauer Fieber, das ihn bis Dienstag beeinträchtigte. Dazu kam eine starke Halsentzündung, weshalb er von Dienstag bis Donnerstag sogar Antibiotika einnehmen musste.
Umso beeindruckender war seine Leistung im Qualifying: Bauer sicherte sich die schnellste Zeit aller EMX125-Fahrer und wurde Erster. Besonders bemerkenswert dabei war, dass er in Gruppe B unterwegs war. Diese geht deutlich später auf die Strecke, nachdem bereits die Trainings von MX2 und MXGP stattgefunden haben. Die Strecke war zu diesem Zeitpunkt bereits stark ausgefahren und deutlich anspruchsvoller zu fahren. Dennoch gelang es Bauer, auf der „kaputten“ Strecke die absolute Bestzeit des Tages zu setzen und sich damit klar an die Spitze zu stellen.

Im ersten Lauf erwischte Bauer anschließend keinen schlechten Start und lag nach der Anfangsphase in aussichtsreicher Position. Dann folgte allerdings ein unglücklicher Zwischenfall: Ein anderer Fahrer kam ihm vor das Vorderrad, dessen Motorrad krachte dabei in Bauers Bike. Es dauerte einige Zeit, bis er das Motorrad wieder aufrichten und das Rennen fortsetzen konnte. Zu diesem Zeitpunkt lag er bereits außerhalb der Top 30.
Trotzdem zeigte Bauer großen Kampfgeist und arbeitete sich beeindruckend wieder nach vorne. Zwischenzeitlich konnte er sich sogar wieder in Richtung Top 10 vorkämpfen. Allerdings wollte er weiterhin viel Boden gutmachen und nahm das Tempo nicht entscheidend heraus. In Kombination mit den Nachwirkungen der Krankheit machte sich die Müdigkeit immer stärker bemerkbar. Dadurch unterlief ihm ein weiterer Sturz, der eine noch bessere Platzierung verhinderte. Gleichzeitig war der erste Lauf für den Österreicher eine wichtige Erfahrung, denn ein Rennen auf diesem Niveau trotz Krankheit und auf einer derart anspruchsvollen Strecke durchzuziehen, war auch für ihn eine neue Situation.
Im zweiten Lauf setzte Bauer die Erkenntnisse aus dem ersten Rennen deutlich besser um. Diesmal teilte er sich das Rennen klüger ein und fand einen sehr guten Rhythmus. Zwischenzeitlich konnte er sogar wieder Zeit auf die Spitze gutmachen und sich im Bereich der Führenden bewegen. Nach rund 15 Minuten war jedoch auch hier zu spüren, dass ihm die körperliche Frische fehlte. In der Schlussphase konzentrierte er sich deshalb darauf, das Rennen kontrolliert und ohne weiteren Sturz ins Ziel zu bringen – was ihm auch gelang.
Trotz des punktelosen ersten Laufs, liegt Ricardo Bauer weiterhin auf dem starken zweiten Gesamtrang in der EMX125. Nach zuletzt mehreren körperlichen Rückschlägen – unter anderem durch Verletzung und nun auch Krankheit – blickt das österreichische Talent dennoch positiv nach vorne. Die Saison ist noch lang, es ist weiterhin alles offen, und schon am kommenden Wochenende in Arco, Italien soll wieder voll angegriffen werden. Dann hofft Bauer auch körperlich wieder bei deutlich besseren Kräften zu sein, um sein Potenzial erneut voll ausschöpfen zu können.

