Technik
Beta RX-Motocross-Modelle 2027 im ersten Test
Erster Eindruck der neuen Motocross- und Enduro-Modelle 2027 von Beta in Montevarchi
Anfang Juli lud Beta zur internationalen Pressevorstellung der neuen Motocross- und Enduro-Modelle nach Montevarchi ein. Für uns war es die erste internationale Pressevorstellung mit Beta, an der wir teilnehmen durften. Auf der Strecke in Montevarchi fand erst kürzlich die Motocross-Weltmeisterschaft statt und dementsprechend anspruchsvoll präsentierte sich auch die Strecke.
Im Fokus stand vor allem die neue Beta 250RX 4T, die für Beta einen wichtigen Schritt im Motocross-Segment darstellt. Neben der 250er Viertakt konnten wir auch die 450RX 4T sowie die beiden Zweitakt-Modelle 250RX 2T und 350RX 2T testen. Zusätzlich standen zahlreiche Enduro-Modelle zur Verfügung, wobei wir auch hier einen kurzen Eindruck sammeln konnten.
Die neue Beta 250RX 4T

Mit der neuen 250RX 4T erweitert Beta das Motocross-Line-up um ein komplett neues Modell im MX2-Segment. Laut Präsentation wurde nicht einfach ein bestehendes Konzept angepasst, sondern Motor und Chassis wurden speziell für die 250er Viertakt entwickelt.

Der neue 250ccm-Motor setzt auf ein DOHC-Konzept mit vier Ventilen, Finger-Follower und DLC-Beschichtung. Dazu kommt eine Dual-Injection mit einem Injektor am Drosselklappenkörper und einem zweiten Injektor im Airbox-Sleeve. Auch beim Motorgehäuse wurde viel Wert auf Kompaktheit und Gewichtsreduktion gelegt. Genau das ist ein spannender Punkt, denn laut Beta ermöglicht die kompakte Bauweise einen Rahmen mit Dimensionen, die mit einer 125er vergleichbar sind.

Elektronisch ist die neue 250RX 4T ebenfalls modern aufgestellt. Das Einspritzsystem wird von einem 32-Bit-Steuergerät kontrolliert. Dazu kommen zwei Mappings, Traction Control, Quick Shifter und eine Launch Control mit fünf Stufen. Alle Funktionen lassen sich über einen neuen Multi-Switch bedienen, der direkt am Lenkerpolster angebracht ist.
Auch beim Chassis ging Beta einen eigenständigen Weg. Der Rahmen wurde mittels FEM-Analyse entwickelt und speziell auf die Eigenschaften der 250er abgestimmt. Die seitlichen Zylinderkopf-Aufnahmen sollen für eine gute Balance aus Lenkpräzision, Stabilität und Traktion sorgen. Beim Fahrwerk vertraut Beta bei allen Modellen auf Kayaba-Komponenten. Vorne arbeitet eine 48-mm-Kayaba-Gabel, hinten ein Kayaba-Federbein. Zusätzlich wurde hinten bewusst eine 100/90-19 Bereifung auf einer 1.85-19 Felge gewählt, um Gewicht zu sparen und die Agilität zu verbessern.
Der Test

Da wir nur wenige Stunden Zeit hatten, um alle Motocross- und Enduro-Modelle zu fahren, ist dieser Bericht bewusst als erster Eindruck zu verstehen. Genauere Tests und weitere Eindrücke folgen im Laufe des Jahres bei nationalen Tests der neuen Modelle.
Über alle Motocross-Modelle hinweg fiel sofort auf, dass Beta beim Chassis eine sehr gute Basis geschaffen hat. Die Ergonomie ist gut gelungen, die Fahrerposition wirkt sehr natürlich und alle Modelle fühlen sich angenehm kompakt an. Besonders positiv war die Kombination aus Handlichkeit und Stabilität. Dies war tatsächlich von Beginn an der auffälligste Punkt, der bei allen vier Modellen positiv aufgefallen ist.
Das Kayaba-Fahrwerk war in der Standardabstimmung bei allen Modellen für meinen Geschmack zu weich. Für Anfänger bietet das zwar viel Komfort, ambitionierte Fahrer werden hier aber vermutlich relativ rasch nachjustieren. Nachdem die Mechaniker vor Ort die Klicks etwas zugedreht haben, wurde das Fahrwerk straffer und bot etwas mehr Reserven.
Beta 250RX 4T

Auf der Strecke war die Philosophie hinter der neuen 250RX 4T schnell spürbar. Das Motorrad war extrem handlich, kompakt und sehr einfach zu fahren. Die 250er lässt sich leicht bewegen, fällt schön in die Kurven und vermittelt schnell Vertrauen. Gerade auf einer Strecke wie Montevarchi, wo man sich erst auf den Boden und das Layout einstellen muss, war das ein großer Pluspunkt.
Der Motor liefert eine sehr gleichmäßige und gut kontrollierbare Leistung. Im unteren Drehzahlbereich hätte ich mir persönlich etwas mehr Punch gewünscht. Hier wirkt die 250er etwas träge. Dennoch macht die lineare Leistungsentfaltung das Motorrad sehr berechenbar und einfach zu fahren.
Überraschend gut funktioniert hat die Traction Control. Gerade wenn der Boden nicht überall gleich viel Grip bietet, hilft das System spürbar, ohne störend einzugreifen. Der Quick Shifter ist ein nettes Gimmick, war für mich persönlich auf der Motocross-Strecke aber nicht wirklich brauchbar. Anders die Launch Control: Die fünf Stufen sind praktisch und beim Start definitiv hilfreich. Mit den fünf verschiedenen Stufen hat jeder Fahrer die Möglichkeit, die passende Drehzahlbegrenzung für den Start zu finden.
In Summe ist die 250RX 4T ein sehr fahrerfreundliches Motorrad. Wer eine aggressive 250er mit maximalem Punch aus dem Drehzahlkeller erwartet, wird vielleicht etwas mehr wollen. Wer aber ein sehr handliches, kontrollierbares und modernes MX2-Bike sucht, bekommt eine spannende neue Option.
Beta 450RX 4T

Auch die 450RX 4T hat einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Der Motor ist stark, aber sehr gut dosierbar. Gerade bei 450ern ist es für mich wichtig, dass die Leistung kontrollierbar bleibt und man nicht ständig gegen das Motorrad kämpfen muss.
Trotz des großen Motors fühlt sich die 450er überraschend handlich an. Das Chassis gibt viel Vertrauen und die Leistung lässt sich sauber einsetzen. Natürlich hat die 450RX deutlich mehr Leistung als die 250er, aber sie wirkt nicht einschüchternd. Für Fahrer, die ein starkes Motorrad mit guter Kontrolle suchen, ist die 450RX definitiv interessant. Überraschenderweise ist mir als 250-Viertakt-Fahrer, die 450 RX auf der Strecke in Montevarchi besser gelegen.
Beta 250RX 2T und 350RX 2T

Besonders gespannt war ich auf die beiden Zweitakt-Modelle. Beta hat in diesem Bereich viel Erfahrung und das merkt man sofort. Beide Motorräder sind sehr handlich, kompakt und machen enorm viel Spaß. Überraschend war für mich aber, wie unterschiedlich die Charakteristik der beiden Motoren ausfällt.
Die 250RX 2T ist bereits aus dem unteren Drehzahlbereich sehr aggressiv. Sie wirkt lebendig, direkt und fordert den Fahrer mehr. Wer einen klassischen, sportlichen Zweitakter sucht, wird mit der 250er sicher viel Freude haben.

Die 350RX 2T hat mich hingegen am meisten überrascht. Obwohl man aufgrund des Hubraums ein besonders aggressives Motorrad erwarten könnte, war sie für mich deutlich besser dosierbar und einfacher zu fahren. Die Leistung kommt kräftig, aber kontrolliert. Man kann längere Gänge fahren, das Motorrad sauber aus den Kurven ziehen lassen und hat trotzdem jederzeit genug Leistung zur Verfügung.
Von allen vier Motocross-Modellen hat mir die 350RX 2T tatsächlich am meisten Spaß gemacht und mich am meisten überzeugt. Für mich war die 350er die beste Mischung aus Leistung, Fahrbarkeit und Spaßfaktor.
Kurzer Eindruck von den Enduro-Modellen
Neben den Motocross-Bikes konnten wir auch kurz einige Enduro-Modelle testen. Da ich im Enduro-Bereich klar als Anfänger einzustufen bin, wurde mir die Beta 200 2T X-Pro empfohlen. Rückblickend war das genau die richtige Wahl.
Das Motorrad war unglaublich leicht zu fahren und fühlte sich fast wie ein Fahrrad an. Gerade für jemanden, der nicht regelmäßig Enduro fährt, war das sehr beeindruckend. Die 200er ist leicht, kontrollierbar und vermittelt sofort Vertrauen. Gleichzeitig macht sie richtig Spaß, weil man sich nicht überfordert fühlt und sich schnell auf das Gelände konzentrieren kann.
Auch hier zeigt sich, wie breit Beta mittlerweile aufgestellt ist. Vom Trial- über den Enduro- bis hin zum Motocross-Bereich bietet Beta ein außergewöhnlich umfangreiches Offroad-Programm. Dadurch findet man im Line-up für sehr unterschiedliche Fahrer, Einsatzbereiche und Erfahrungsstufen ein passendes Motorrad.
Fazit
Beta hat bei der internationalen Pressevorstellung in Montevarchi gezeigt, dass man das Motocross-Projekt sehr ernst nimmt. Das Line-up ist mittlerweile breit aufgestellt und mit 250 2T, 350 2T, 250 4T und 450 4T bietet Beta für sehr unterschiedliche Fahrer ein passendes Motorrad. Besonders gefreut hat uns die Information, dass bereits ein 125ccm RX Modell entwickelt wird und voraussichlich in den nächsten ein bis zwei Jahren erscheinen wird. Dies würde dann das Angebot von Beta vor allem für Nachwuchsfahrer erweitern.

Besonders die neue 250RX 4T ist ein wichtiger Schritt für Beta. Der komplett neu entwickelte Motor, das eigene Chassis, die moderne Elektronik und die kompakte Bauweise zeigen, dass Beta im MX2-Segment nicht nur dabei sein, sondern ein konkurrenzfähiges Paket anbieten möchte.
Obwohl der erste Eindruck bei allen vier Modellen des Modelljahres 2027 positiv ausgefallen ist, war für mich persönlich dennoch die 350RX 2T das Highlight des Tages. Sie war extrem spaßig, sehr gut dosierbar und hat mich von allen getesteten Motocross-Modellen am meisten überzeugt.
Da wir an einem Tag sehr viele Motorräder testen konnten, war die Zeit pro Bike natürlich begrenzt. Dieser Bericht ist daher bewusst als erster Eindruck zu verstehen. Genauere Tests und weitere Eindrücke folgen bei nationalen Tests. Fest steht aber schon jetzt: Es ist schön zu sehen, dass Beta im Motocross-Bereich weiter Gas gibt und definitiv auf dem richtigen Weg sind.

