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Ducati Desmo250 MX und Desmo450 EDS im Test

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Ducati Desmo250 MX und Desmo450 EDS im Test

Zwei Tage Offroad in Italien: CrossNews-Testfahrer Elias Steiner konnte die brandneue Ducati Desmo250 MX und die neue Desmo450 EDS im italienischen Faenza ausführlich testen.

Ende Juli lud Ducati zur internationalen Pressevorstellung der neuen Offroad-Modelle nach Faenza. Zwei komplett neue Motorräder standen dabei im Mittelpunkt: die Desmo250 MX, mit der Ducati sein noch junges Motocross-Programm nun auch in die MX2-Klasse erweitert, sowie das erste Enduro-Modell mit der Desmo450 EDS.

Für CrossNews war Testfahrer Elias Steiner vor Ort. Am ersten Tag stand die neue Desmo450 EDS auf dem Programm, ehe es am zweiten Tag auf die MXGP-Strecke „04 Park – Monte Coralli“ in Faenza ging. Dort konnte Elias die neue Desmo250 MX einen kompletten Tag lang testen – und am Abend sogar noch unter Flutlicht. Ein besonderes Erlebnis und gleichzeitig die perfekte Gelegenheit, Ducatis neuestes Motocross-Projekt genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ducati250 MX: Ducati erweitert sein Motocross-Line-up

Erst ein Jahr nach der Einführung der Desmo450 MX legt Ducati bereits nach. Mit der neuen Desmo250 MX greift der italienische Hersteller nun auch in der hart umkämpften MX2-Klasse an.

Und auch bei der 250er bleibt Ducati seinem wohl größten technischen Alleinstellungsmerkmal treu: der desmodromischen Ventilsteuerung. Während bei einem konventionellen Viertaktmotor die Ventile über Federn geschlossen werden, erfolgt bei Ducatis Desmo-System sowohl das Öffnen als auch das Schließen mechanisch.

Der komplett neu entwickelte Einzylinder verfügt über 249,7 cm³ Hubraum und leistet laut Ducati 44,5 PS bei 12.500 U/min sowie 28,3 Nm bei 8.800 U/min. Besonders beeindruckend ist allerdings die maximale Drehzahl: Bis zu 15.000 U/min sind möglich. Dadurch können die einzelnen Gänge länger ausgefahren und Schaltvorgänge reduziert werden.

Der Motor selbst bringt lediglich 24,7 Kilogramm auf die Waage. Geschaltet wird über ein speziell entwickeltes Fünfganggetriebe, ein Quickshifter ermöglicht kupplungsloses Hochschalten. Bei der hydraulischen Kupplung setzt Ducati auf Brembo.

Auch beim Elektronikpaket hat Ducati einiges zu bieten. Viele Systeme wurden von der Desmo450 MX übernommen und speziell auf die Charakteristik des kleineren Motors angepasst.

Zur Verfügung stehen zwei Motormappings, die zusätzlich über die X-Link App konfiguriert werden können. Dazu kommen eine dreistufige Ducati Traction Control, eine zweistufig einstellbare Engine Brake Control und eine dreistufige Launch Control.

Besonders interessant ist die Traction Control. Anders als viele einfachere Systeme im Motocross-Bereich berechnet Ducati die Leistungsreduzierung anhand des tatsächlichen Hinterradschlupfs. Das System soll außerdem erkennen, wann ein Eingriff keinen Sinn ergibt – beispielsweise während eines Sprungs.

103 Kilogramm und Showa-Fahrwerk

Beim Chassis greift Ducati auf das Grundkonzept der Desmo450 MX zurück. Der Aluminium-Perimeterrahmen wurde hinsichtlich seiner Steifigkeit allerdings speziell auf die Anforderungen der 250er angepasst. Fahrfertig ohne Kraftstoff bringt die Desmo250 MX laut Ducati lediglich 103 Kilogramm auf die Waage.

Beim Fahrwerk setzt Ducati auf Showa. Vorne arbeitet eine voll einstellbare 49-mm-Upside-down-Gabel mit 310 Millimetern Federweg und Kashima-Beschichtung, hinten ein ebenfalls voll einstellbares Showa-Federbein mit 301 Millimetern Federweg.

Gebremst wird mit Brembo-Komponenten in Kombination mit Galfer-Bremsscheiben mit 260 Millimetern vorne und 240 Millimetern hinten. Bei der Bereifung kommen Pirelli Scorpion MX32 Mid-Soft zum Einsatz.

Der Test in Faenza

Unter perfekten Bedingungen ging es für Elias am zweiten Testtag auf die MXGP-Strecke in Faenza. Dabei stand ausreichend Zeit zur Verfügung, um sich nicht nur einen kurzen ersten Eindruck zu verschaffen, sondern die Desmo250 MX über den gesamten Tag kennenzulernen.

Eines fiel dabei bereits beim ersten Kontakt mit dem Motorrad auf. Die Ducati ist speziell im hinteren Bereich extrem schmal. Das vermittelt zunächst ein etwas ungewohntes Gefühl, unterstreicht aber gleichzeitig die kompakte Ergonomie des Motorrads.

Auch das Chassis hat einen klaren Charakter. Die Ducati fühlt sich vergleichsweise steif an, was vor allem in schnellen Passagen für viel Stabilität sorgt. Bergauf, bergab und in langen, schnellen Kurven liegt die Desmo250 MX sehr ruhig und vermittelt viel Vertrauen.

In engen Kurven und langsamen Passagen musste sich Elias hingegen zunächst an das Motorrad gewöhnen. Mit zunehmender Fahrzeit funktionierte die Abstimmung  aber immer besser und gegen Ende des Tages konnte Elias die Stärken der 250er deutlich besser nutzen.

Der Motor

Besonders gut funktioniert der neue Desmo-Motor im mittleren und oberen Drehzahlbereich. Dort wird die 250er richtig spritzig und genau hier spielt auch die hohe Maximaldrehzahl ihre Stärke aus.

In Verbindung mit der einstellbaren Engine Brake Control lässt sich die Motorcharakteristik deutlich verändern. Elias reduzierte die Motorbremswirkung stark und konnte die Ducati dadurch wesentlich besser durch schnelle Passagen und Kurven laufen lassen.

Im unteren Drehzahlbereich hätte er sich allerdings etwas mehr Drehmoment gewünscht. Hier fehlt dem Motor aus seiner Sicht etwas Punch. Über den Tag konnte er seinen Fahrstil aber zunehmend darauf einstellen und die Stärke des Motors im mittleren und oberen Bereich besser nutzen.

Gerade hier zeigt sich auch, dass die zahlreichen elektronischen Einstellmöglichkeiten nicht nur Spielerei sind. Die Unterschiede sind auf der Strecke tatsächlich spürbar und ermöglichen es, die Charakteristik des Motorrads an Strecke und persönlichen Fahrstil anzupassen.

Showa überzeugt bereits im Standard-Setup

Positiv überrascht hat auch das Showa-Fahrwerk. Bereits in der Standardabstimmung funktionierte es auf der Strecke in Faenza sehr gut.

In Kombination mit dem eher steifen Chassis ergibt sich ein Motorrad, das besonders bei höherem Tempo viel Stabilität vermittelt. Die Ducati liegt ruhig und präzise und gibt dem Fahrer in schnellen Passagen viel Vertrauen.

Das Gesamtpaket benötigt allerdings etwas Eingewöhnungszeit. Gerade in engeren Passagen fühlte sich Elias zu Beginn noch nicht sofort vollkommen wohl. Je länger der Tag dauerte, desto besser funktionierte die Kombination und desto mehr konnte er das Potenzial der Desmo250 MX ausschöpfen.

Motocross unter Flutlicht

Ein besonderes Highlight folgte schließlich am Abend. Nachdem die Temperaturen zurückgingen, wurde die Strecke unter Flutlicht nochmals geöffnet.

Der Boden entwickelte sich dabei nahezu perfekt. Tiefe Rillen, viel Grip und ein Boden, die sich laut Elias teilweise fast wie „Plastilin“ anfühlte, sorgten für außergewöhnliche Bedingungen.

Unter Flutlicht auf einer ehemaligen WM-Strecke eine brandneue Ducati Desmo250 MX zu fahren, war dementsprechend ein Erlebnis, das man nicht jeden Tag bekommt. Gleichzeitig zeigte sich, wie sehr das Vertrauen in das Motorrad über den gesamten Testtag gewachsen war. Während Elias morgens in einigen Passagen noch mit der Ducati kämpfte, wollte er am Abend kaum mehr aufhören zu fahren.

Die brandneue Ducati Desmo450 EDS

Bereits am Vortag stand mit der neuen Desmo450 EDS das zweite komplett neue Offroad-Modell von Ducati auf dem Programm.

Am Vormittag wurde auf einem abgesteckten Kurs auf einem Acker gefahren, am Nachmittag ging es auf eine kleine Enduro-Strecke. Technisch basiert die EDS auf der Desmo450 MX, wurde für den Enduro-Einsatz aber in zahlreichen Bereichen angepasst.

Besonders deutlich wird das beim Fahrwerk. Ducati setzt auch hier auf Showa, verwendet allerdings weichere Federn als bei der Motocross-Version. Die Abstimmung bietet deutlich mehr Komfort und Absorption bei typischen Enduro-Hindernissen. Auf der Strecke funktionierte das sehr gut und trotz der weicheren Abstimmung bot das Fahrwerk im letzten Bereich des Federwegs noch ausreichend Reserven.

Auch Kupplung und Bremsanlage von Brembo hinterließen einen sehr guten Eindruck.

Beim Motor standen zwei unterschiedliche Charakteristiken zur Verfügung. Unter den rutschigeren Bedingungen zu Beginn bevorzugte Elias das sanftere Mapping mit weniger Leistung und stärkerer Motorbremswirkung. Als die Bedingungen besser wurden, wechselte er auf die aggressivere Abstimmung mit mehr Leistung und weniger Motorbremse.

Trotz der zusätzlichen Leistung blieb der Motor im unteren Drehzahlbereich gut dosierbar. Positiv fiel außerdem die sehr zentrale Balance des Motorrads auf, die der Desmo450 EDS viel Stabilität verleiht.

Fazit

Nur ein Jahr nach dem Einstieg mit der Desmo450 MX zeigt Ducati mit der neuen Desmo250 MX, wie ernst es der Hersteller mit seinem Motocross-Projekt meint.

Die neue 250er ist kein einfacher Ableger der 450er. Der komplett neu entwickelte Desmo-Motor, das angepasste Chassis und das umfangreiche Elektronikpaket zeigen, welchen Aufwand Ducati betreibt, um auch in der MX2-Klasse konkurrenzfähig zu sein.

Ducati ist im Motocross noch ein vergleichsweise junger Hersteller, tritt aber keineswegs so auf. Nach der Desmo450 MX ist auch die neue 250er ein weiterer konsequenter Schritt. Besonders positiv fiel dabei auch das gesamte Team vor Ort auf. Mechaniker und Entwickler nahmen das Feedback der Fahrer ernst und arbeiteten laufend daran, das Setup weiter zu verbessern.

Zwar ist Elias ausschließlich im Motocross-Sport unterwegs, der erste Eindruck der neuen Enduro war positiv und er hatte definitiv sehr viel Spaß, das Motorrad bei unterschiedlichen Bedingungen zu testen.

Für CrossNews war der Test in Faenza damit nicht nur aufgrund zweier komplett neuer Motorräder interessant. Eine brandneue Ducati auf einer ehemaligen MXGP-Strecke zu testen und den Tag schließlich unter Flutlicht ausklingen zu lassen, machte die Präsentation zu einem ganz besonderen Erlebnis.

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